Häufige Fragen und Antworten

Übersicht

  1. Wie beurteile ich Materialien für den Sprachunterricht, die hier nicht aufgeführt werden?
  2. Woher weiß ich, welches Sprachniveau die Lernenden haben?
  3. Wie beginne ich den Sprachunterricht, wenn die Lernenden und ich keine gemeinsame Sprache wie z.B. Englisch haben?
  4. Wie unterrichte ich in Gruppen, die sehr unterschiedliche Kenntnisse im Deutschen haben?
  5. Wie unterrichte ich Grammatik?
  6. Wen bezeichnet man als Analphabeten?
  7. Warum muss man zwischen Analphabeten und Zweitschriftlernern unterscheiden?
  8. Kann man dieselben Materialien für Kinder, Jugendliche und Erwachsene nutzen?
  9. Warum sollte man auch mit Erwachsenen im DaZ-Unterricht spielen?
  10. Ab welchem Sprachniveau kann ich die Lernenden auf berufliche Situationen vorbereiten?
  11. Wie bereite ich die Lernenden auf die ersten Prüfungen vor?
  12. Wie kann ich auf Traumatisierung von Flüchtlingen/Geflüchteten reagieren?

1. Wie beurteile ich Materialien für den Sprachunterricht, die hier nicht aufgeführt werden?

Verlage bringen ständig neue Bücher, Spiele, Apps etc. auf den Markt. Um diese zumindest in Ansätzen beurteilen zu können, sind in diesem Handbuch einige grundlegende Kriterien aufgelistet, an denen man sich orientieren kann.
Siehe: Praxistipps „Wie wähle ich aus?“

zurück zur Übersicht

2. Woher weiß ich, welches Sprachniveau die Lernenden haben?

Eine Orientierung bietet der Gemeinsame Europäische Referenzrahmen (GER), der die Sprachfähigkeiten in den vier Kategorien Hören, Lesen, Schreiben und Sprechen auf den Niveaus A, B und C klar und übersichtlich beschreibt. Hier der GER, überarbeitet vom Goethe-Institut: http://www.goethe.de/Z/50/commeuro/303.htm.

zurück zur Übersicht

3. Wie beginne ich den Sprachunterricht, wenn die Lernenden und ich keine gemeinsame Sprache wie z. B. Englisch haben?

DaZ-Unterricht findet in der Regel ausschließlich auf Deutsch statt. Viele Zuwanderer beherrschen keine der bei uns üblichen europäischen Sprachen, so dass zu Beginn des Unterrichtes der elementare Wortschatz wie Vorstellung und Begrüßung und z. B. der Wortschatz des Unterrichtsraumes eingeführt wird. Darauf wird dann immer weiter aufgebaut mit Themen, die sich aus dem Alltag ergeben. Auch Bildwörterbücher können eine sinnvolle Hilfe sein. Mit Mimik, Gestik und ein wenig schauspielerischem Talent lassen sich auch die letzten Sprachbarrieren überbrücken.

zurück zur Übersicht

4. Wie unterrichte ich in Gruppen, die sehr unterschiedliche Kenntnisse im Deutschen haben?

Zu fast allen Lehrwerken, die in diesem DaZ-Handbuch vorgestellt werden, gibt es sogenannte Lehrerhandreichungen. Diese geben Tipps für die Planung und Durchführung des Unterrichts. Sie enthalten auch Tipps für die sogenannte Binnendifferenzierung, also die Aufteilung einer größeren Gruppe in kleinere Gruppen. Die Lerner werden nach Sprachniveau, Alter, Lernertypen usw. eingeteilt und unterschiedlich unterrichtet. Es müssen nicht alle Teilnehmer zu jeder Zeit das Gleiche lernen. Jeder sollte dort abgeholt werden, wo er oder sie sprachlich steht, und daher ist es völlig in Ordnung, wenn die Lernenden z. B. unterschiedliche Arbeitsblätter bekommen oder am Ende des Unterrichts unterschiedlich weit gekommen sind.

zurück zur Übersicht

5. Wie unterrichte ich Grammatik?

Im DaZ-Unterricht wird Grammatik eher implizit, d. h. innerhalb der Sprachübungen unterrichtet. Grammatikthemen werden danach ausgewählt, wie häufig sie in der Sprache vorkommen und wie wichtig sie für die alltägliche Kommunikation sind.
Ein Beispiel ist der Umgang mit den Vergangenheitsformen: Die Zeitform Perfekt benötigt man beispielsweise, um alltäglich Erlebtes zu schildern (ich habe gelernt; ich bin in die Schule gegangen). Das Präteritum hingegen (ich lernte; ich ging in die Schule) ist im Wesentlichen der Schriftsprache vorbehalten und sollte daher nicht im Anfangsunterricht thematisiert werden. Ausnahmen sind „sein“ und „haben“ (ich war in der Schule; ich hatte Unterricht).

zurück zur Übersicht

6. Wen bezeichnet man als Analphabeten?

Analphabeten werden in zwei Kategorien eingeteilt:
primäre Analphabeten, die in ihrer Erstsprache keine oder nur sehr geringe Schriftsprachkenntnisse haben und
funktionale Analphabeten, die trotz Schulbesuchs keine ausreichenden Kenntnisse im Lesen und Schreiben haben.
Keine Analphabeten hingegen sind Zweitschriftlerner. Sie beherrschen zwar unser lateinisches Alphabet nicht, haben aber in ihrer Erstsprache (z. B. Arabisch, Persisch, Urdu, ...) ausreichend lesen und schreiben gelernt. Sie lernen das Schreiben in unserer Schrift anders und vor allem schneller als Analphabeten.

zurück zur Übersicht

7. Warum muss man zwischen Analphabeten und Zweitschriftlernern unterscheiden?

Im DaZ-Handbuch findet man in der Kategorie „Lehrwerke für die Alphabetisierung“ Empfehlungen und Hinweise, welche Materialien für jeweils eine dieser beiden Zielgruppen geeignet sind. Wichtig ist, zwischen Lernern zu unterscheiden, die noch nie oder nur sehr kurz eine Schule besucht haben (Analphabeten) und Lernern, die zwar in ihrem Heimatland eine Schule besucht haben, aber das lateinische Alphabet nicht kennen bzw. beherrschen (Zweitschriftlerner). Beide Gruppen lernen auf unterschiedliche Weise. Ein Analphabet beispielsweise muss oft erst lernen, mit einem Stift umzugehen und sich den verfügbaren Raum auf dem Papier einzuteilen, bevor er mit dem eigentlichen Schreiben beginnen kann. Ein Zweitschriftlerner muss die lateinische Schrift vor allem auswendig lernen und die Schreibung der einzelnen Buchstaben üben.

zurück zur Übersicht

8. Kann man dieselben Materialien für Kinder, Jugendliche und Erwachsene nutzen?

Auch wenn Kinder und Erwachsene die deutsche Sprache völlig neu lernen müssen, so ist doch ihre jeweilige Herangehensweise an die Sprache eine ganz andere. Kinder benötigen kindgerechte Bilder und Themen, alles andere überfordert oder langweilt sie. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene möchten ernst genommen werden und können irritiert sein, wenn sie mit allzu kindlichen Bildern und Texten lernen sollen. Grundsätzlich spricht aber nichts dagegen, Materialien auch mit einer anderen als der angegebenen Zielgruppe auszuprobieren.

zurück zur Übersicht

9. Warum sollte man auch mit Erwachsenen im DaZ-Unterricht spielen?

Spiele eignen sich hervorragend für den Sprachunterricht. Nicht nur für die Kinder ist es hilfreich, sich beim Lernen zu bewegen, zu lachen oder die Sprache auf eine neue Art und Weise zu nutzen. Das Erinnerungsvermögen wird nachweislich gesteigert, die Konzentrationsfähigkeit verbessert und die Stimmung im Kurs auch. Auch für traumatisierte Menschen sind Lernspiele hilfreich, um Hemmungen oder Müdigkeit zu überwinden.

zurück zur Übersicht

10. Ab welchem Sprachniveau kann ich die Lernenden auf berufliche Situationen vorbereiten?

Grundlegender berufsbezogener Wortschatz kann schon auf den Niveaustufen A1 und A2 eingeführt werden. Für komplexe berufliche Zusammenhänge benötigen Deutschlerner das Sprachniveau B1 (siehe oben die Ausführung zum Thema „Sprachniveau“ und siehe im DaZ-Handbuch die Kategorie „Bücher für den Beruf“).

zurück zur Übersicht

11. Wie bereite ich die Lernenden auf die ersten Prüfungen vor?

Anhand von Materialien, die beispielsweise von telc oder dem Goethe-Institut herausgegeben werden und im Internet zu finden sind, können Lernende sogenannte Modellprüfungen kennen lernen. Diese machen sowohl mit den Prüfungsformaten als auch mit grundlegenden Kenntnissen für die Prüfungen vertraut.

zurück zur Übersicht

12. Wie kann ich auf Traumatisierung von Flüchtlingen/Geflüchteten reagieren?

Wenn Hinweise auf eine Traumatisierung vorliegen, ist es für den DaZ-Unterricht wichtig, Ruhe und Verlässlichkeit zu vermitteln. Die Stabilisierung im Alltag und im Unterricht ist eine wesentliche Voraussetzung für die Verarbeitung des Erlebten. Eine Traumatisierung kann sich durch die unterschiedlichsten Symptome zeigen: von Müdigkeit über Unkonzentriertheit bis hin zu körperlichen Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen und sogar Depressionen. Nehmen Sie ggf. Kontakt mit entsprechenden Beratungsstellen auf.

zurück zur Übersicht