11 Tipps für den Unterricht „Deutsch als Zweitsprache“

Übersicht

  1. Seien Sie offen und kreativ!
  2. Gehen Sie auf die Teilnehmenden ein!
  3. Schaffen Sie eine positive Lernstimmung!
  4. Schaffen Sie „Gruppendynamik“!
  5. Setzen Sie auf Methodenvielfalt!
  6. Haben Sie Geduld!
  7. Bleiben Sie beim Wichtigsten!
  8. Redezeit statt Grammatik!
  9. Nehmen Sie sich zurück!
  10. Nehmen Sie sich wichtig!
  11. Und zum guten Schluss

1. Seien Sie offen und kreativ!

Alle von uns haben Erfahrungen gemacht mit Unterricht – sei es als Kind in der Schule, sei es als Erwachsener in einem Sportverein. Dadurch hat jeder von uns auch ein Bild im Kopf, wie eine Lehrerin/ein Lehrer „sein sollte“. Machen Sie sich davon frei, eifern Sie niemandem nach, seien Sie Sie selbst und stellen Sie sich auf Ihre Teilnehmenden ein. Vor allem: vergessen Sie alles, was Sie in Ihrer Kreativität hemmen könnte, verfolgen Sie nicht irgendwelche Regeln und Methoden, nur weil Sie meinen, man müsse das so tun. Mit Ihren Teilnehmenden gemeinsam können Sie erspüren, was diese brauchen. Manchmal ist es das Arbeiten nach einem Buch, manchmal sind es Lieder und manchmal ist es der gemeinsame Besuch eines Supermarktes, der Ihre Lerner weiterbringt.

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2. Gehen Sie auf die Teilnehmenden ein!

Jede Gruppe ist anders und alle Teilnehmenden sind unterschiedlich. Egal, ob Sie nur ein oder zwei Personen in Deutsch unterrichten oder eine ganzen Gruppe – versuchen Sie, alle Anwesenden wahrzunehmen und wertzuschätzen. Dazu gehört, dass Sie versuchen, die Namen Ihrer Teilnehmer zu lernen und möglichst früh festzustellen, wer welche Vorkenntnisse hat. Dann können Sie sich mit Ihrem Unterricht darauf einstellen. Und gerade die Zielgruppe der Flüchtlinge und Asylbewerber, die Sie unterrichten, braucht Einfühlungsvermögen, Verlässlichkeit und soziale Kompetenz von Ihnen. Das heißt auch, dass Sie sich sicher sein sollten, wenn Sie beginnen zu unterrichten, dass Sie einige Zeit dabeibleiben werden und dass Sie mit Spaß, Geduld und Humor an die Sache herangehen können.

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3. Schaffen Sie eine positive Lernstimmung!

Zu einer positiven Lernstimmung gehört ein Umfeld, in dem man sich konzentrieren, sich gegenseitig gut verstehen und einander gut sehen kann. Wenn kein eigener Raum zur Verfügung steht, dann genügt eine Ecke, in der es einigermaßen ruhig ist. Wenn Sie mehrere Personen unterrichten, dann stellen Sie die Tische und Stühle am besten so, dass sich alle sehen können und dass eine Gruppe entsteht. Sehr gut geeignet ist dafür eine U-Form oder ein Kreis, am wenigsten geeignet sind Stuhlreihen hintereinander. Lassen Sie beim Lernen Fehler zu, denn diese sind ganz normal, auch wenn man etwas schon mehrmals erklärt hat. Und vor allem: haben Sie selber Spaß beim Unterrichten, denn das merken die Teilnehmenden und lassen sich davon anstecken.

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4. Schaffen Sie „Gruppendynamik“!

Verbinden Sie, wenn Sie mehrere Personen unterrichten, die Teilnehmenden aktiv untereinander. Das sollte man von der ersten Stunde an versuchen zu erreichen, beispielsweise mit Spielen zum Kennenlernen, bei denen die Teilnehmenden sofort auch miteinander in Kontakt kommen. Bei solchen Methoden kommt niemand dazu, sich zu langweilen und für den Einzelnen entstehen so mehr Möglichkeiten zur aktiven Teilnahme. Nebenbei werden Sie entlastet und haben die Chance, sich ein wenig zurückzunehmen. Denn es ist nicht Ihre Aufgabe, Ihr Wissen einfach nur mitzuteilen oder an die Tafel zu schreiben. Viel mehr bringt es allen, wenn Sie die Lernenden dazu bringen, aktiv zu werden, sich auszutauschen und das Gelernte anzuwenden.

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5. Setzen Sie auf Methodenvielfalt!

Jede Person lernt anders. Durch verschiedene Methoden sprechen Sie unterschiedliche Lerntypen an. Gleichzeitig bringt ein Methodenwechsel Schwung, Abwechslung und Energie in Ihren Unterricht und alle können sich besser konzentrieren und die Inhalte besser aufnehmen. Konkret bedeutet dies, dass Sie zum Beispiel zwischen den sogenannten „Sozialformen“ wechseln: mal arbeiten alle zusammen, mal hört man einem zu, dann wieder gibt es eine Partnerarbeit oder auch einmal eine stille Einzel-Lernphase. Eine andere Möglichkeit zum Wechsel ist neben dem Lehrbuch der Einsatz von Spielen (Bewegungsspiel zum Auffrischen, Vokabellernspiel, Kommunikationsspiel, …), von authentischen Materialien (Zeitungsartikel, Stadtplan, Formulare, …), von Liedern oder Bildern. Wichtig hierbei ist, dass sich die einzelnen Phasen immer wieder abwechseln.

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6. Haben Sie Geduld!

Viele Ihrer Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben Muttersprachen, die völlig anders aufgebaut sind als Deutsch. Außerdem haben viele von ihnen Erfahrungen gemacht, die sie heute noch negativ beeinflussen (Traumatisierung). Die meisten von ihnen leben außerdem in Situationen, die sich auf das Lernen hemmend auswirken (unsicherer Aufenthaltsstatus, finanzieller Druck, Unterbringung in beengten Verhältnissen). So kann es sein, dass Sie auf Teilnehmende treffen, die scheinbar kaum vorankommen mit dem Lernen. Gehen Sie in solchen Fällen sehr langsam voran, wiederholen Sie viel, vermitteln Sie dieselben Lerninhalte in unterschiedlichen Zusammenhängen. Und zeigen Sie Ihren Teilnehmenden auf, was sie für Fortschritte machen, denn das ermutigt sie. Und freuen auch Sie sich über jeden kleinen Lernschritt, den Ihre Teilnehmenden schaffen!

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7. Bleiben Sie beim Wichtigsten!

Die Asylsuchenden und Flüchtlinge haben einen Alltag, in dem sie reale Situationen sprachlich meistern müssen. Bleiben Sie mit Ihren Lerninhalten nahe bei dieser Lebensrealität Ihrer Teilnehmenden. Das heißt, dass zum Beispiel der Wortschatz für den Einkauf, für Arzt- oder Behördenbesuche wichtiger ist als für Theaterbesuche oder für das Planen eines Urlaubs. Hierfür können Sie auch sehr gut authentische Materialien im Unterricht einsetzen, wie zum Beispiel Stadtpläne, Formulare, Busfahrpläne oder auch mal ein Kochrezept oder Wohnungsanzeigen in Zeitung oder Internet.

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8. Redezeit statt Grammatik!

Sprache ist sehr viel mehr als nur Grammatik. Viele haben früher in der Schule gelernt, dass Grammatik das Wichtigste ist. Ihre Teilnehmenden aber müssen sehr schnell in einer Lebensrealität zurechtkommen, in der Wortschatz oder auch feststehende Phrasen für die Kommunikation sehr viel wichtiger sind als Grammatikregeln. Versuchen Sie einen Unterricht zu gestalten, in dem sehr viel gesprochen wird. Und gehen Sie über viele Fehler zunächst gelassen hinweg, wenn man verstehen kann, was die Lernerin oder der Lerner meint, denn das ermutigt sie. Wenn Sie nach einiger Zeit feststellen sollten, dass sich einige gravierende Fehler beginnen zu verfestigen, dann kann man immer noch die eine oder andere Regel thematisieren.

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9. Nehmen Sie sich zurück!

Die Rolle von Unterrichtenden ist heutzutage mehr die eines Lernbegleiters oder Lern-„Ermöglichers“. Und so sollten Sie vermeiden, dass Sie dozieren, indem Sie Ihren Lernern Inhalte, Regeln, Worte „vor-erzählen“. Beobachten Sie sich und versuchen Sie selber möglichst wenig Redezeit in Anspruch zu nehmen. Räumen Sie stattdessen Ihren Teilnehmenden möglichst viel Zeit zum Sprechen ein. Dafür gibt es zahlreiche Möglichkeiten: geben Sie Fragen von Teilnehmenden an die Gruppe weiter, lassen Sie Übungen reihum machen und sich die Lerner gegenseitig korrigieren. Setzen Sie Spiele ein, in denen alle viel sprechen müssen.

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10. Nehmen Sie sich wichtig!

Dieser Punkt bezieht sich nicht auf die Unterrichtsmethodik, sondern auf Sie als ehrenamtliche Lehrkraft. Beobachten Sie sich gut und bekommen Sie ein Gefühl dafür, wieviel Sie bereit sind zu geben in Ihrem Unterricht oder gegebenenfalls auch darüber hinaus. Kommen Sie zurecht mit den Dingen, die Sie über Krieg, Flucht und Vertreibung von Ihren Lernern erfahren? Fühlen Sie sich wohl mit Ihrer Rolle im Deutschunterricht? Suchen Sie sich Unterstützung, wenn Sie sich überfordert fühlen! Für die sprachliche Seite gibt es professionelle Deutschdozenten, die Ihre Fragen beantworten können oder an die Sie eventuell sogar einzelne Teilnehmende weiterleiten können. Und auch wenn Sie merken, dass manche Dinge Sie seelisch belasten, sollten Sie sich früh genug um professionelle Hilfe bemühen. Lernen Sie von Anfang an, sich auch abzugrenzen und sich genug Zeit für Ihre eigenen Belange zu nehmen.

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11. Und zum guten Schluss

Viele Verlage bieten Lehrerhandbücher oder -handreichungen zu ihren Lehrwerken an. Diese enthalten neben zusätzlichen Arbeitsblättern auch Tipps, wie Sie den Unterricht, das Thema, oder auch eine Methode ein- und durchführen. Auch wenn Sie nicht mit einem Lehrwerk arbeiten, lohnt es sich diese Handreichungen als Ideengeber durchzublättern. Man bekommt sie gebunden als Hefte oder Bücher, immer häufiger auch online auf den Webseiten der Verlage. In unserem DaZ-Handbuch finden Sie entsprechende Empfehlungen in den einzelnen Kapiteln.

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